Eigene Gedanken zu alten Schriften

ein paar lose Gedanken zu Rosa Luxemburgs Aufsatz Reform oder Revolution. Ich beziehe mich ausschließlich auf das Vorwort das ganze Werk muss ich mir noch erschließen. Doch ich konnte nicht anders als dazu ein paar eigene Gedanken auf das heutige System zu übertragen. Vielleicht verhilft es der-dem ein oder anderen zur Inspiration für eigene vielleicht sogar weitergehende Gedanken.

Den Kampf um eine Sozialreform zu gewinnen, sollte sich eine einseitig auf dem wissenschaftlichen Standpunkt und aber unvermittelten Ideal des demokratischen Sozialismus stehende SPD wiederum nicht mehr wünschen. Nicht nach den Erfahrungen, die mit der Sozialdemokratie gemacht wurden, die sich als alleinige Vertretung einer Schicht sah (sehen musste) dessen Wesen sie nicht kennen konnte. Denn die Knotenpunkte bildeten sich nicht durch wissenschaftliche Diskurse alleine, wie von ihr angenommen wurde. Ich persönlich stehe bildungsmässig viel zu weit unter der Schicht von Akademikern um mich an ihrer Sprache erfreuen zu können und hätte damit auch keine Grundlage die SPD zu wählen gehabt, das trifft für mich im gleichen Masse auf die Grünen zu, die sind aber hier kein Thema, wie generell für mich nicht.

Das stete ausgrenzen von Sozialisten ohne Doktortitel und Kommunisten ohne Partei mit einem Drang nach Freiheit und Menschenrechten, konnte nicht als Problemlösung geeignet sein. Die Wahrheit ist schlicht, auf einem Bein kann niemand auf Dauer stehen und schon gar keine parlamentarisch lange etablierte Partei, die sich nicht entscheiden kann, ob Arbeiter nun die Bösen sind, oder nicht.

Versuche aus den mit weniger bildungsbürgerlichem Duktus ausgestatteten Millieus Anschluss an eine solche wissenschaftliche und damit ausserhalb ihrer eigenen Sphäre geführten Debatte zu finden, blieben meiner Erfahrung nach stets erfolglos. Denn man nahm Arbeiter innerhalb der Sozialdemokratie nicht als reelle Chance für einen Wandel wahr. Sondern im Gegenteil, dichtete die Sozialdemokratie ihr den Verdruss einer versagenden Schicht von abgehängtem Proletariat an, welches nicht in der Lage zu sein schien, sich freudig in den Sozialismus zu ergeben, der sich mit der Einführung eines Niedriglohnsektors und Leiharbeit für sie ergeben hatte. Es war das Werk rein akademisch isolierter Denker, ohne praktisch ausführenden und nachjustierender Lenker. Wobei es nach wie vor fraglich ist, was zuerst kommen muss um den Karren zumindest erst einmal aus dem Dreck zu ziehen.

Keiner derjenigen die ihre „Haut zu Markte“ tragen müssen, war dabei als die Gesetze verabschiedet wurden, die den Abschied von unprekären Arbeitsverhältnissen bedeuteten. und wenn die Sozialdemokratie ganz ehrlich ist, dann wird sie zugeben, das es ihr seit Generationen schädlicher werdender Kommunistenkomplex ist, der sie daran hinderte über ihren Schatten zu springen und endlich diejenigen zu Wort kommen zu lassen, die die Hauptlast dieser Gesellschaft schon immer trugen -Leistungsträger. Die Bescheidenheit der Arbeiter, die sich angeblich nicht zu Wort melden wollen, sie ist eine Lüge. Das Verbot kommunistischer Parteien, geschriebene deutsche Geschichte.

Aber wenn diese Stimme links der Sozialdemokratie dabei gewesen wäre, so möchte man die Sozialdemokratie fragen, wäre es dann anders gewesen? Wie hätte die Reform ausgesehen? Lohnt es nicht darüber nachzudenken und sich für die Zukunft neu zu ordnen, aus berechtigtem Grund der in der gemachten Erfahrung einer Sozialreform liegt, die der SPD ein ganz klares Versagen attestiert? Es wäre für die Sozialdemokratie gut das gedankliche Rad noch einmal zurück zu drehen, bis zu dem Zeitpunkt vor der Hartz IV Reform. Dem Zeitpunkt vor dem Sieg der Sozialreform gegen die SPD.

Hätte ein Arbeiter tatsächlich zugesagt seinen Lohn abzugeben, damit allein eine neue Gruppe von Kleinbürgern auf ihre Kosten zu Reichtum aufsteigt? Wäre es nicht viel richtiger gewesen, die Ausgestaltung der Leiharbeit zusammen mit denjenigen zu betreiben, die die Mehrheit auch innerhalb des Betriebes bilden? Schon mal gefragt warum die keinen Bock auf Politik haben? Weil keine Zeit vorhanden ist, sich Gedanken zu machen, zu endlos wirr erscheinenden Debatten die sie nicht verstehen, weil sie ihre Arbeit nicht teilen dürfen, um damit Zeit zu gewinnen die sie in die Kultur fließen lassen könnten und damit auch fast unmittelbar in die Politik. Meine Meinung ist: Arbeiter hätten zuerst die Reduzierung des Arbeitszeit gefordert, bevor sie überhaupt weiter denken hätten können. So wie das mit dem ÖBS und den Erwerbslosen auch nicht anders ist. Im Hinterkopf habe ich die Forderung der LINKEn nach einem ÖBS. Erst muss Zeit erkämpft werden. Sanktionslose Zeit. Für alle die ihre Arbeitskraft verkaufen müssen, das wäre meine bescheidene Meinung dazu.

Es spricht aus Sicht der Sozialdemokratie nichts gegen einen Chef an der Spitze dieser Leiharbeitsfirmen, das leuchtet mir schon alleine deshalb ein, weil sie selbst genau diesen Abdruck in ihrer Partei vorherrschen lässt. Aber was hätte dagegen gesprochen, sich darüber Gedanken zu machen, was damit alles zusammenhängt? Wer die Hauptlast auch in Zukunft tragen wird müssen. Wer ist es denn der immer flexibel sein muss, immer im ungewissen leben, immer die Erniedrigung ertragen müssend sich als Knecht verleihen zu lassen. Dieser Zustand der „Unwissenheit“ der macht einen Knecht aus dem Menschen, der seine Arbeitskraft alleine hat, die er verkaufen kann.

Doch nicht einmal diese kann er selbst anbieten. Sie wird von einem „Anbieter“ auch genannt „Chef der Leihklitsche“ angeboten. Wie ein massgeschneiderter Anzug kommt die bestellte Ware beim Entleiher an um dort für das passende Klima zu sorgen. Man könnte auch gleich ein Rudel Hunde in die Werkshalle scheißen lassen. Die Anwesenheit des Geruches wäre nicht minder störend, wie die Anwesenheit eines Arbeitsplatzgefährders für die Stammbelegschaft, die ihre Mittagspause in derselben Halle verbringt. Ist doch so! Die Menschen werden behandelt wie ein Stück von dieser Masse, die wohl nicht braun genug ist um zu begreifen das sie selbst Schuld ist.

Ohnehin ist das ziemlich unklug was da von pseudo Arbeitsplatz Besitzern an Feindseligkeit ausgeht, wo Zusammenhalt gefragt ist. Nicht die Arbeit besitzt ihr möchte man rufen, die Arbeit ist der Deckel unter dem ihr steckt, tief im Topf mit der braunen Soße guckt nur noch euer Kopf über den Rand. Ausgrenzer befinden sich damit in bester Gesellschaft, die zweifellos immer kleiner wird. Denn die Temperatur steigt mit den Kündigungen und unter der Hitze wirft die Soße Blasen, wenn die aber platzen dann kommt es genau wie bei unserer mitterweile auch von mir halbwegs verstandenen Immobillienblase zu dem Effekt das die Ausgrenzer die ausgegrenzten sind und aus der Soße herausplatzen. Die Soße ist ein nationales Hausgericht und die logische Folge der braunen Agenda.

Mir kommt das eigentlich eher so vor, dass die Sozialdemokratie besser damit fährt einfach nur um des kämpfens willen eine Sozialreform erkämpfen zu müssen. Schließlich fallen dabei teilweise kleine Verbesserung auch für die Arbeiter ab. Die Machterlangung der Sozialdemokratie liegt nun schon einige Jahre zurück und die Ergebnisse sind nicht sehr schmeichelhaft für eine „Bewegung“ die tatsächlich vom wissenschaftlichen Sozialismus in die Gesellschaft deligiert werden sollte.

Für die Sozialdemokratie bildet der alltägliche Kampf um Reformen den größten Irrtum, der sie stets davon abbrachte die bestehenden Verhältnisse zu verbessern. Doch im Endeffekt wäre ja auch das nur Makulatur an einem Wirtschafssystem welches immer wieder crashen wird, das weiss jeder. Aber irgendwie scheint da eine Wesenheit zu existieren die es wohl doch irgendwie wieder gut machen wird, oder? Herausgeschält hat sich nach der „Reform“ nur ein Kern, der mit alten Namen noch ältere Bewegungen anführte, die nach rechts abdrifteten.

So fürs erste wars das. Vielleicht setze ich meine Gedanken noch fort sobald ich die komplette Arbeit durchgelesen habe. Dann könnten eventuell auch noch einige Verbesserungen stattfinden. Doch die Inspiration ist ein Geschenk, welches ich schon jetzt nicht mehr zurückweisen möchte.