Archiv der Kategorie 'Satire'

Aktions Mauszeiger

Du bist schwach. Vieles hast du vergessen in den langen Wochen in denen du am Abgrund des Todes standest. Du wirst viele Fähigkeiten verbessern oder neu erlernen müssen, um die vor dir liegenden Aufgaben meistern zu können. -ein Tipp von Xardas im Handbuch zu Gothic II

das klingt für mich ein wenig nach einer durchlebten Sanktion von einhundert, in Zahlen: 100%!!! Gegen die Existenz und dem ihr zugrunde liegenden Minimum. Wieviel Zeit hast du rückblickend darauf verwenden müssen das letzte bisschen Geld zu erhalten, welches dir zum leben noch von deiner Arbeitskraft gelassen wurde? Waren es Tage, Wochen, Jahre? Es war genau die Zeit in der jemand anderes mit dem was du an Wert in die Gesellschaft eingebracht hast, eifrig handelte. Und handelte. Und? Genau: handelte.

Es war die Zeit in der das Produkt welches mit deinem Zutun einen Wert erhielt, ohne Vermehrung seines Wertes einen „Gewinn“ abwarf für jemanden anderen, der nicht dazu in der Lage, oder auch nur gewillt war, Wert zu schaffen durch den Aufwand seiner eigenen Zeit und Fähigkeiten. Es war die Zeit in der deine wahre Arbeitskraft als tote Arbeitskraft eingelagert wurde. Die Zeit in der manch einer von den anderen, von hohen Rendite-Zielen träumte und sich dabei durchaus bewusst waren, dass sich das in die Gesetzgebung einfinden wird. Nämlich genau dort, wo derjenige der Wert erschaffen hat, nämlich du, sich darum abmüht sein Leben zu erhalten. Das was du kannst wurde dir nicht genommen, nur der Glaube daran wurde dir genommen.

Vieles hast du verlernt in der Zeit die von anderen dazu verdammt wurde dich an das Fließband zu stellen damit du nicht nachdenken musst ob es einen Sinn ergibt. Du warst so großzügig zu teilen(!) mit deinem heißgeliebten, dich gnädiger und großzügiger, wohltätiger wie rechtschaffener weise, dich von deinem Elend befreienden und natürlich ganz selbstlosen Chef. Der mit jedem Mitarbeiter den er mehr einstellte auch einen Gewinn machte, wenn er den Lohn auf das Mindestmass reduzierte. Dreiviertel für ihn damit er auch schön handeln und handeln kann. Ein viertel für dich. Gerecht?

Du bist für einen Lohn von drei Tagen arbeiten gegangen, hast aber die ganze Woche gearbeitet, du warst ein Wohltäter. Du hattest ein gutes Herz, wer wollte das ernsthaft abstreiten? Du vielleicht? Meinst du etwa das du gerecht behandelt wurdest, als der Chef der Leihklitsche dir 7,50 von deinem Erzeugnis über liess? Ja dann hälst du wahrlich die andere Backe hin, wer wollte es dir verdenken, denn an irgend etwas wirst du am Ende glauben müssen. Und da ist eine höhere Macht immer nützlich, der kann man es zuschreiben, dass sie ja die Herrscherin von Raum und Zeit ist. Aber auch über das was du als Lohn erhälst? Wirklich?

Du, ja du, hast einen Wert hinterlassen der in der Gesellschat benötigt wurde um damit Handel zu treiben. Das dieser Wert irgendwo zwischendurch mit jedem Handel der zunahm, immer mehr an Gegenwert abnahm, oder auch einbüßte, störte diejenigen nicht, die stets auf eine Armee an billig umschulbaren Reservewertschaffern zugreifen können. Du wurdest benutzt, man erzog dir eine spezifische Fähigkeit an und das geschah auf Kosten all deiner anderen Fähigkeiten, die dir aberzogen werden sollten. Diese Fertigkeiten und Fähigkeiten gehören aber unbedeutender und zu vernachlässigender Weise zu der Würde und dem Mensch sein dazu. Oder ist dir das wichtig?

Heute liegst du halb tot auf deinem Bett, die Sanktionen haben dich getroffen, hart und gnadenlos. Die schöne Welt vor dem Computerschirm verfloss, verlor ihren Glanz, es roch nach Straße. Doch du hast es geschafft bei einem neuen Verwerter unterzukommen. Der schon gar nicht mehr so nett war. Deine Sicht der Dinge, sie hat sich verändert. Du siehst es heute anders. Ist es Zufall das der Regelsatz fiel, in der Zeit in der er nicht „erhöht“ wurde, während du aus dem System gefallen bist? Zufall das die Dispozinsen zunahmen, ohne das du dafür einen messbaren Gegenwert erhalten hättest? Zufall das die FDP so viele Prozente bekam, wie du Sollzinsen zahlen musstest?

Ja, das alles mag Zufall sein. Doch du blickst die ganze Zeit nur auf das was sein könnte, während du auf dem Bett liegst und auf den nächsten Brief wartest, der dich zu einer Gerichtsverhandlung einlädt, in der es dann darum geht, ob man dir nur halb, oder gleich ganz das Existenzminimun entziehen durfte. Du fühlst das da dekadente Handlungen an dir exerziert werden und wurden, doch du bist nicht in der Lage es in Worte zu fassen, deinen Willen daraus zu formen. Es löst etwas in dir aus und das ist nicht gut, denn davon wirst du krank, wenn du es nicht artikulierst. Tu dir also selbst einen Gefallen und geh auf die Demo gegen die Nazis und frag bei der Gelegenheit mal nach, wie viele von denen auch schon Wert schaffen mussten, den andere verwerteten. Du wirst staunen, sei gewiss. Und diese ominösen anderen, von denen hier die ganze Zeit die Rede war, sie wirst du dort auch finden. Doch das ist nur der Fuß. Der Kopf sitzt bekanntlich oben.

Statistisch gesehen

Geht es uns gut. Blendend gar. Strahlend mitunter.

Statistich gesehen hat der Leiharbeiter einen Lohnzuwachs, der Erwerbslose eine Regelsatzerhöhung, der Kleingewerbe treibende einen saftigen Zuwachs an Einnahmen und zwar aus dem steigenden Wohlstand einer Gesellschaft, in der das Wort Wir nicht einzig und alleine dazu tauglich ist geliebte Ausgrenzung zu konturieren. Statistisch gesehen müsste auch ein Raucher gesünder werden, mit jedem Mal wenn er anfängt wieder aufzuhören. Statistisch gesehen müsste ich Ahnung haben, von meiner Hardware, von meiner Software und ich müsste schon längst einen Blog betreiben der auch schön anzusehen ist. Leider ist da aber eine hämische Komponente dazwischen. Die nennt sich: Realität.

In der Realität hat der Leiharbeiter keinen Lohnzuwachs und wenn er einen hatte, dann ist der so gering ausgefallen das er den Verlust der vergangenen Jahre, in denen er dabei zusehen durfte wie andere Leute seine Arbeitskraft um tausend Wetten verschebelten, wie seine Arbeitskraft defacto enteignet wurde und dann mit ihr gehandelt und gedealt bis sie zu ihm zurückkehrte, in Form von wenigen Euro die er aufstocken musste und zwar mittels unmoralischem Griff in den gefühlten Wohltätigkeitsfonds der Enteigner, nicht einmal ansatzweise richtig verstanden hat, wenngleich ihn irgendwie ein seltsames Pleitegefühl plagt.

Und diese seinen verbliebenen Euro, waren nicht dazu geeignet sich Freunde zu machen. Genau, denn er nahm sie an! Ganz ohne Demut und ohne Dankbarkeit, das er doch schließlich arbeiten durfte. Bei der Firma, mit dem tollen Service, da wo die Blaumänner vorrätig sind, die man ihm vom nächsten Gehalt wieder abzog. Dekadenter Schnösel! Deshalb hat er ja auch die Klagen beim Arbeitgericht am Hals, in denen er um die verbliebenen Euro seiner Ware Arbeitskraft feilschen muss. Und da er aufstocken musste, dieser den Wettbewerb verhindernde Leistungsverweigerer, war es für ihn von eminenter Bedeutung für einen Regelsatz auf die Straße zu gehen, der dazu geeignet ist, einen anständigen Lohn zu reproduzieren. Statistisch gesehen passieren ja auch mehr Unfälle im Straßenverkehr als auf einer Demonstration. Doch da war doch noch was? Achja, die Realität tut weh und zwar auch im wahrsten wie im Wortsinn. Erst die Schläge auf der Demo, dann die Schelte vom Chef und dann die Kündigung. Toll!

Bleibt also noch der Regelsatz alleine und der regelt etwas. Nur was das ist, mh.. weiss keiner so genau der davon nicht auch betroffen ist. Statistisch gesehen nährt er den Wohlstand in der Gesellschaft, statistisch gesehen hat der Schnorrer aber Ersparnisse von 60000 Euro auf der hohen Kante, die muss er ja auch erst einmal aufbrauchen bevor die Realität für ihn in Kraft treten darf.

Nicht das er auf die Idee kommt seinen Reichtum dem Kleingewerbe treibenden in den Hals zu schütten, der davon ja eh nur wieder die Realität versaufen würde, wie es die Statistik schon richtig anmerkt. Nämlich die seien Realität, das die Insolvenz ansteht. Das sollte er schleunigst realisieren, auch wenn die Statistik aussagt, das er doch eigentlich gut dastehen müsste. Wir alle haben vom Wettbewerb profitiert, also statistisch gesehen! Also du auch, begreif das endlich und nerv nicht weiter. Setz dich vor deinen Rechner und schreib den Frust heraus, statistisch gesehen solltest du doch in der Lage dazu sein, den Leuten etwas zu geben was sie hören wollen. WIR warten!!! Statistisch gesehen müssten mir Rechtschreibfehler im Text auffallen. In der Realität gefällt mir aber nicht, was das dann über mich aussagen würde. Also bleiben wir bei der Statistik!:-)